Frühjahrsblumen


Donnerstag, 2 April, 2015

Obwohl natürlich längst nicht so ausgeprägt wie in Europa, so merkt man trotzdem auf den Kanaren den Unterschied der Jahreszeiten. Diesen Winter haben wir es besonders gespürt: Januar, Februar und auch die erste Märzhälfte waren (für Fuerteventura) kühl. Unzählige Samen keimten bei den starken Regenfällen Ende November 2014 auf den weiten Ebenen, an Berghängen und auf Feldern, und die Pflänzchen nutzten die kühle, relativ feuchte Zeit im Winter zum Wachsen. Am Ende des Winters, wenn die Tage wieder deutlich länger sind und die Sonne stärker brennt, blüht es dann an vielen Stellen auf Fuerteventura. Eine auffällige, bis ca. 30 cm hohe Pflanze ist der Blasen-Ampfer, den man auf Ödland und an Wegrändern antrifft.  

Er wird hier “vinagrerilla roja” genannt. “Vinagrerilla” enthält das Wort “vinagre”, also Essig, was auf den sauren Geschmack der Blätter hinweist. Und “rojo” heist Rot. Eine rotblühende Essig-Pflanze also, verwandt mit dem Sauerampfer aus Europa.

Der Blasen-Ampfer ist eine einjährige Pflanze. Es gedeihen noch andere einjährige Ampfer-Arten auf der Insel, wie Rumex bucephalophorus, der aber fast nur in den Bergen ab 400 m Höhe an etwas schattigen Nordhängen vorkommt. Er bleibt kleiner als der Blasen-Ampfer.

Ausserdem haben alle diese Käuter einen grossen Verwandten auf den Inseln, den endemischen (das heisst, nur hier vorkommenden) Kanaren-Ampfer (Rumex lunaria). Dieser Strauch wächst in den Küstengebieten und mittleren Berglagen von Gran Canaria, Tenerife, La Palma, Gomera und Hierro, ist aber auf Fuerteventura, wo man ihn nur gelegentlich mal bei Landhäusern und an Feldrändern findet, wahrscheinlich nicht einheimisch, sondern gepflanzt oder verwildert. Auch auf Lanzarote kam urspünglich kein Kanaren-Ampfer vor, wurde aber als Futterpflanze für Ziegen und Schafe von der Inseln Hierro eingeführt, wo die Pflanze “Calcosa” genannt wird. Den gleichen Namen hat die Art dann auch auf Lanzarote erhalten. Auf Lanzarote hat sich die Pflanze weit verbreitet und als invasive Pflanze zum Beispiel grosse Teile des Parque Nacional de Timanfaya besiedelt.

Der Kanaren-Ampfer mag auf Lanzarote nicht einheimisch sein, aber er kolonisiert vor allem die jungen Lavagebiete, wo sowieso noch nicht sehr viel wächst und wo er daher nicht so leicht durch Konkurrenz einheimische Arten in Gefahr bringen kann.